Ingrid Krause
24.05.2023

Von der Sonne geküsst

Schmiedekunst für Wandergesellen

Was für ein Geschenk: Als Oliver Barth von Schmiede-Art sich bei mir meldete weil er dem NORDPFADE-Team ein Kunstwerk schenken wollte, waren wir alle baff. Genial! Der Wanderfan aus dem Nachbarlandkreis Stade, genauer aus Harsefeld-Hollenbeck, nahm ein Praktikantenprojekt in seiner Schmiede zum Anlass für diese schöne Idee.

 


Oliver bei der Arbeit Oliver bei der Arbeit

Leidenschaft für das Schmieden und Wandern

Metall ist sein Element: Oliver Barth ist Schmied, ein Handwerker. Ganz oft wird er bei seinen Objekten zum Kunsthandwerker. Als Künstler aber bezeichnet er selbst sich nicht. In seiner Werkstatt Schmiede-Art entstehen praktische Auftragsarbeiten wie Zäune, kunstvolle Werke für den eigenen Garten und immer wieder auch der keltische Glücksnagel.

Das Wandern ist eine zweite Leidenschaft. Seine Werkstatt liegt direkt am Jakobsweg, wo er eine kleine Pilgerherberge betreibt. Und er kennt viele der NORDPFADE, was ihn auch auf die Idee der Spende brachte.

Und wo ist die Verbindung? Schmieden und Wandern sprechen gleichermaßen Körper und Geist an, und wirken im Rhythmus der Bewegung meditativ.

"Von der Sonne geküsst" im Urzustand "Von der Sonne geküsst" im Urzustand

Glücksnägel aus der Kunstschmiede

Vom ersten Kontakt bis zur Präsentation des Kunstwerks dauerte es eine Weile. Ich durfte Oliver besuchen als es fertig war, um mir ein eigenes Bild davon zu machen. Besprochen haben wir das Motiv nicht. Ganz blank war es da noch, dieses Metallobjekt, das mich an florale Formen erinnerte. Ich sah sofort vor meinem geistigen Auge wie Kinder hindurch schauen würden, ein Fotospot. Und ich sah die Arbeit, denn ich hatte selbst schon klägliche Schmiede- und Schweiß-Versuche in Workshops unternommen. Aber bevor es mit der Sonne und ihren Küssen weiter geht, gehe ich auf eine wunderbare Sache ein: Den keltischen Glücksnagel.

Dieser Glücksnagel mit seinen zwei ineinander geschwungenen Herzen steht für immerwährendes Glück, Liebe und Harmonie im Haus. Er ist eine Abwandlung des keltischen Herz-Kreuzes, das Freundschaft und Liebe symbolisiert. Du kannst ihn für kleines Geld erwerben, von außen am Haus anbringen - und daran glauben, dass es wirkt. Das ist auch ein tolles Geschenk, mal etwas ganz Besonderes.

Das Feuer in der Esse muss ordentlich heiß sein. Immer wieder muss das Metall erhitzt, mit Hammer und Amboss geformt und wieder erhitzt werden. Das Feintuning der Form wird mit einer Zange umgesetzt. Eine ganz schön schweißtreibende Arbeit ist das Schmieden.

Blick in die Werkstatt

Solche Werkstätten sind für mich immer eine Fundgrube für Fotomotive. Das Werkzeug in Reih' und Glied, der Funkenflug beim Flexen, lustige Sprüche und Schilder ... Daraus ließe sich ein ganzes Buch gestalten.

Noch faszinierender ist für mich allerdings, was hier gestaltet wird. Mir persönlich macht ja die Arbeit mit dem Schneidbrenner besonders viel Spaß. Da kann man praktisch im Metall malen. Und wenn die Funken nur so sprühen und das Feuer brennt, dann bin ich super glücklich. Auch ohne Nagel in Herzform.

Brot- und Butter-Jobs gehören aber ebenfalls dazu, irgendwie wollen die Brötchen ja verdient werden. Bei wem ist das nicht so? Das ist ideal für die Tage, an denen die Muse einfach nicht kommen und dich küssen möchte. Da sieht ein Zaun oder ein Treppengeländer am Ende auch nicht immer so wild-kreativ aus wie bei Olivers Hinterhof-Einfahrt, in solchen Fällen überzeugt die Präszision.

Herberge Herberge

Ein Herz für Pilger und Puder

Die Werkstatt von Oliver befindet sich direkt am Norddeutschen Jakobsweg. Da er auch gerne wandert bietet es sich an, mit seiner Frau zusammen eine kleine Herberge zu betreiben: das Quartier am Schmiedefeuer. Hinten im Garten steht ein schöner Bauwagen für Gäste, alles ist toll dekoriert und eingerichtet. Dazu gibt es noch eine Ferienwohnung. Gegenüber sind die schwarz-bunten Damen das Empfangskomitee.

Und wenn der Pilgerin oder dem Pilger mal nach einer ganz besonderen Auszeit auf dem Weg ist, dann ist Angela Barth mit Kosmetik, Yoga und Wellness für ein Verwöhnprogramm zur Stelle.

Übrigens sind es drei Wege die an Harsefeld vorbei führen, und alle gehen - von Nordosten kommend - direkt weiter durch den Landkreis Rotenburg (Wümme):

  • Via Baltica für Wanderer über Zeven und Ottersberg nach Bremen
  • Via Romea für Wanderer über Zeven und Scheeßel in die Lüneburger Heide
  • Mönchsweg für Radfahrer über Zeven und Wilstedt nach Bremen

Die Arbeit in der Werkstatt war irgendwann längst getan, da hat die Arbeit in Bezug auf das Kunstwerk an anderer Stelle gedauert. Ein geeigneter Standort musste gefunden werden, der dem Werk gerecht wird. Das Kunstwerk wurde gut verankert, ein neuer Rastplatz wurde geschaffen und ein Infoschild erstellt. So einfach mal hinstellen wo es gefällt, das geht halt nicht, und alles will genehmigt sein.

Endlich wurde es Zeit für Oliver seine Werkstatt zu verlassen, in die Wanderschuhe zu schlüpfen und nach Groß Meckelsen aufzubrechen.

Verhülltes Kunstwerk Verhülltes Kunstwerk

Feierliche Enthüllung am NORDFAD Kuhbach-Oste

Für das schöne Werk aus Metall wurde ein Platz am besonders schönen Qualitäts-Wanderweg Kuhbach-Oste ausgewählt. Am Tag des Wanderns, der jährlich am 14. Mai stattfindet, wurde das Kunstwerk feierlich eingeweiht. Damit du es nicht lange suchen muss, habe ich den Standort bei Google markiert.

An diesem NORDPFAD ist besonders, dass es noch weitere Kunstwerke gibt die es zu entdecken gilt. Zum Beispiel die Liebenden von Ragna Reusch hinter dem Hotel-Restaurant Schröder. Dort - oder am Hotel zur Kloster-Mühle - kannst du übrigens auch prima einkehren (bitte unbedingt Öffnungszeiten beachten!) oder nächtigen. Der Weg ist mit nur 9,6 km Länge gut für Anfänger geeignet.

Sei aber nun (fast live) bei der Zeremonie dabei:

 

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Stahl vor Sonne Stahl vor Sonne

Bahn frei für ein lustiges Shooting

Als die Wanderer weg waren, haben Oliver und ich freie Bahn gehabt für ein paar Fotos. Und das hat echt Spaß gemacht. In Oliver steckt ein echtes Model. Dabei hat er auch bewiesen, dass sein Werk stabil ist. Anfassen ist ausdrücklich erlaubt, und die Lütten dürfen auch daran turnen. Wir haften allerdings nicht, und auf den Rost sowie mögliche scharfe Kanten sollte dringend geachtet werden.

Ich versuchte einzufangen, dass die Sonne das Kunstwerk wirklich küsst, und habe mich dafür mit vollem Einsatz in den Rindenmulch geworfen; gelungen ist es mir nicht ganz. Aber wie war das noch mit der Sonne, was bedeutet das? Na ja, das heißt für jeden etwas anderes. Vielleicht ist das Werk für einige auch ein Blumenstrauß, oder die Ansammlung von rund der Hälfte der 24 NORDPFADE. Das sind ja immerhin Rundwege, was zur Form passen würde. Ich finde es einfach cool.

Oliver beschreibt seine Gedanken etwas differenzierter:

Wir sehnen uns nach ihr und recken ihr unsere Gesichter entgegen. Mit ihrer unbändigen Kraft ist sie unser aller Lebenselixier.

Wenn sie uns küsst, dann hüpft unsere Seele vor Wonne. Inspiriert von der Kraft der Sonne entstand dieses florale Arrangement aus Eisen, bei dem sich die Blüten den energiespendenden Sonnenstrahlen entgegen recken. Die kreisrunde Form der einzelnen Blütenkelche symbolisiert dabei die enorme Bedeutung der Sonne für alles Leben auf unserem Planeten.

Entwurf – Gestaltung – Umsetzung: Oliver Barth, Eugen Gräfenstein und Felix Feeder

Nach diesen schönen Worten geht es aber los mit dem Spaß-Shooting. Danke, Oliver, dass du so viel Quatsch gemacht hast, das war - spitze! Echt "instagrammable", wie man heute sagt. Und es ist gleichzeitig das Ende meiner Geschichte.

Oliver Barth

Buschhornweg 8
21698 Harsefeld-Hollenbeck
Tel: 04164 6552
E-Mail: info@schmiede-art.de

Die Werkstatt von Schmiede-Art sowie die Herberge findest du unter

schmiede-art.de und schmiedequartier.de

Da Harsefeld außerhalb des Landkreises Rotenburg (Wümme) liegt, findest du Oliver nicht auf unserer Website im Bereich der Ateliers.

Oliver und sein Werk Oliver und sein Werk

5 Fragen an ...

  1. Kommst du gebürtig aus dem Landkreis Rotenburg (Wümme)?
    Nein, Landkreis Stade. Mir haben es echt die Nordpfade angetan.
  2. Was ist dein persönlicher Lieblingsort im Landkreis?
    Bullensee, Dör’t Moor
  3. Was schätzt du an den Menschen in der Region besonders?
    Die Bodenständigkeit
  4. Was macht die Region lebens- und liebenswert?
    Die vielfältige Natur
  5. Bist du eher Team Aktiv, Natur, Kultur oder Auszeit?
    Eher Team aktiv

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