Ingrid Krause
22.01.2024

Algenliebe

Die Weltretterin von Rockstedt

Im kleinen Dorf Rockstedt werden Wissenschaft und Landwirtschaft gleichermaßen betrieben: Es geht um das spannende Thema Algen. Diese sind ein Baustein zur Rettung unserer Welt, wenn wir es global richtig angehen. Denn sie können noch viel mehr, als zur Ernährung der Zukunft beitragen. Ich denke an Kerosin und Klamotten, Wasserstoff und Wurstpelle, Gebäude und Gesundheit  - eine lange Liste sammelt sich an. Ich habe Jasmin in der Algenfarm Rockstedt getroffen. Sie kennt sich richtig gut damit aus.


Inhalt:
Jasmin Ebel vor dem Versuchsbecken mit Makroalgen

Wissenschaftlerin mit Visionen

Wenn Jasmin Ebel Visionen hat, dann braucht sie - frei nach Helmut Schmidt - nicht zum Arzt gehen. Ihre Vision, Liebe und Faszination gehört den Algen. Und das ist prima, denn Algen werden nicht nur seit Jahrtausenden in verschiedenen Kulturen verwendet, sie sind auch ein ganz entscheidendes Material der Zukunft. Es könnte die heimische Landwirtschaft verändern oder gar revolutionieren. Warum? Das erfährst du im Laufe dieses Beitrags.

Als Wissenschaftlerin arbeitet sie in der Landwirtschaft, genauer bei der Algenfarm in Rockstedt mit dem Markennamen JoMaa Spirulina. Es handelt sich wahrscheinlich um Deutschlands erste Algenfarm, in der die Landwirtschaft von Anfang an im Fokus stand. Im Gegensatz zu älteren Farmen, die aus einem wissenschaftlichen Kontext entstanden. Der Anbau von Mikroalgen ist auf dem Bauernhof der Familie Heins nur ein Standbein: Es gibt weiterhin Hühner, Schweine, Ackerbau und einen Brötchen-Lieferdienst. Jasmin ist dort einerseits zuständig für das Labor, damit alles sozusagen im grünen Bereich ist. Weiterhin arbeitet sie beispielsweise mit dem Alfred-Wegener-Institut sowie der Hochschule in Bremerhaven zusammen, um zu forschen. Um immer auf dem Laufenden zu sein, besucht sie regelmäßig Konferenzen wie vor wenigen Wochen die AlgaEurope in Prag.

Im Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven hat Jasmin selbst bereits gearbeitet, bis sie ganz zur Algenfarm von Johannes und Maarten Heins wechselte. Bevor sie sich selbst kurz vorstellt, stelle ich dir das aktuelle Forschungsprojekt vor.

Alge im Glas

Makroalgen für Verpackungen - Forschung auf dem Land

Bevor ich über das Projekt berichte, gibt es einen Crashkurs zum Thema Algen. Es sind meiner Meinung nach die wichtigsten Infos für Laien:

  • Es gibt schätzungsweise zwischen 30.000 und einer Million Algenarten. Ziemlich ungenau, aber zusammengefasst: Sehr viele.
  • Algen haben keine Wurzeln, keinen Stamm oder Stängel, weshalb sie in der Regel nicht zu den Pflanzen gezählt werden. Dennoch eint Algen und Pflanzen, dass sie Photosynthese betreiben.
  • Unterschieden werden Algen, die - mit wenigen Ausnahmen - im Salzwasser oder im Süßwasser vorkommen, vor allem wie folgt:
    Makroalgen (mehrzellige Algen, deren Zellen verschiedene Aufgaben übernehmen, wie beispielsweise Nori)
    Mikroalgen (einzellige Algen, die im Verbund zusammenhängen, aber eigenständig arbeiten, wie beispielsweise Chlorella)
    Cyanobakterien (Bakterien, die ebenfalls Photosysthese betreiben können und oft auch Blaualgen genannt)
  • Die Besonderheit der Algen ist unter anderem das schnelle Wachstum sowie der geringe (im Meer gar kein) Landverbrauch.
  • Die World Health Organization (WHO) hat 1998 die Proteinversorgung der erwachsenen Menschen erörtert, die aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung künftig nicht mehr durch die heutige Form der Ernährung mit vielen tierischen Proteinen gedeckt werden kann. Insekten, Pilze und Algen werden als die drei wichtigsten Proteinlieferanten der Zukunft benannt. Algen dürften davon sicher am vielseitigsten nutzbar sein.

Makroalgen wachsen vor allem im Meer. Für das Klima sind besonders die riesigen Kelpwälder wichtig, die etwa so viel CO2 aufnehmen wie der Amazonas-Regenwald. Über die Photosynthese erzeugen Algen mithilfe der Sonnenstrahlen aus Kohlenstoffdioxid (CO2) und Wasser (H2O) das Element Sauerstoff sowie Glucose (Zucker). Da die Meeresalgen so wichtig für das Klima sind und Transportwege möglichst kurz sein sollten macht es Sinn, diese bei einem erhöhten Algenbedarf zusätzlich landbasiert anzubauen. Damit sind wir bei einer spannenden und neuen Form der Landwirtschaft, einer Aquakultur.

In Rockstedt gibt es derzeit ein Becken mit Makroalgen, die nichts von einem Kelpwald haben. Sie fühlen sich eher trocken beziehungsweise pergamentartig an, und schmecken mir gut. Zum Essen ist diese Sorte im Rahmen des Versuchs aber nicht in erster Linie gedacht, denn das Ziel sind hier kompostierbare und/oder essbare Verpackungen, unter anderem für die Restaurant-Kette Nordsee. Mehr Infos zum Projekt "MAK-PAK Scale-up: Industrietaugliche Verfahrensoptimierung zur Herstellung einer nachhaltigen Verpackungslösung aus Makroalgen für den Lebensmittel-Handel" findest du beim AWI oder bei der Hochschule.

Meeressalat wird diese Makroalge genannt, genauer heißt sie Ulva Lactuca. Es handelt sich um eine besonders vielseitige Alge, die auch für die Medizin bedeutend sein kann. Sie ist die ideale Alge, was die Nährstoff-Zusammensetzung angeht sowie die Verarbeitung zu Verpackungen. Und der hier gezüchtete Stamm ist der beste aller Ulva-Stämme.

Die Blätter werden in der Haupt-Wachstumsphase teilweise so groß wie Handteller, jetzt im Winter sind sie eher klein. Diese Alge hat sich beim Vergleich diverser Sorten durchgesetzt. Nun wird geschaut, unter welchen Bedingungen sie optimal gezüchtet werden kann. Da spielen der Salzgehalt, Dünger, der PH-Wert, die Temperatur und vieles mehr eine Rolle. Und natürlich, dass das Wasser nicht kontaminiert wird. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Forschung entwickelt.

Auf der Algenfarm werden aber sozusagen hauptberuflich Mikroalgen angebaut. Wichtig zu wissen: Ich habe Jasmin am 28. Dezember getroffen, da war der Rest des Teams im Betriebsurlaub. Die letzte Ernte des Jahres war bereits abgeschlossen. Leere Becken sind aber nicht wegen der Ferien zu sehen, sondern wegen der anstehenden Umbaumaßnahmen: Der Boden wir erneuert. Da ist die Winterruhe der Algen und Menschen vom Zeitpunkt optimal. Entsprechend bilden meine Aufnahmen nicht den Zustand im laufenden Betrieb dar. Der große Vorteil lag aber darin, dass wir alle Ruhe der Welt hatten.

Es zeigte sich auch, dass das gut war, wir hätten nämlich unendlich quatschen können. Über Algen, über Musik von Metal bis Gothic und unsere schwarzen Seelen (immerhin haben wir beide einen Hauch von Grün in unseren schwarzen Klamotten untergebracht, für die fröhlichen Aufnahmen), über das Klima und vieles mehr. Letzteres hat für Jasmin sicher noch mehr Bedeutung als für mich, denn sie ist deutlich jünger und in "freudiger Erwartung". Somit sieht sie nicht nur ihre Zukunft, sondern auch die ihres künftigen Kindes mit Sorge. Natürlich ist der Begriff "Weltretterin" überzogen, aber jeder Baustein, der Chancen für die Zukunft birgt, ist extrem wichtig.

Nun stellt sich Jasmin aber endlich einmal ganz kurz vor:

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Jasmin nimmt Proben aus dem Becken mit Spirulina

Spirulina - die Mikroalge, die keine Alge ist

Auf der Algenfarm wird das Cyanobakterium Arthrospira platensis kultiviert, das Produkt wird Spirulina genannt. Ich nutze den Namen Spirulina in meinem Bericht weiterhin. Es handelt sich um eine Süßwasser-"Alge".

Spirulina wird vor allem als Nahrungsergänzungsmittel genutzt. Laut Wikipedia hat das Trockenpräparat durchschnittlich folgende Inhaltsstoffe:

  • 59,78 % Proteine
  • 20,2 % Kohlenhydrate
  • 4,06 % Fette
  • 5,47 % Mineralstoffe

"In den Proteinen sind alle essentiellen Aminosäuren enthalten, außerdem β-Carotin - eine Vorstufe des Vitamin A -, B-Vitamine und Vitamin E (2,8–12,5 mg / 100 g) sowie in hohen Konzentrationen Calcium, Eisen und Magnesium."

Nachhaltigkeit ist auch in Rockstedt beim Anbau ganz wichtig: Die Energie kommt von der Biogasanlage des Nachbarn. Es handelt sich um die Abwärme, zum Beheizen wird keine zusätzliche Energie benötigt. Das Wasser kommt aus einem eigenen Tiefenbrunnen, aus einer Schicht unter dem Grundwasser. Entsprechend wird kein Grundwasser verwendet, das für die Landwirtschaft und die Bewohner der Umgebung wichtig ist. Bei der Trocknung hat sich Backpapier bewährt, das auch von Bäckereien verwendet wird und lange hält. Aber auch hier werden nachhaltigere Lösungen getestet, um Müll zu sparen.

Im Gegensatz zur ebenfalls bekannten und in Aquafarmen angebauten Mikroalge Chlorella, die in Rohren - also geschlossenen Systemen - kultiviert wird weil sie extrem anfällig für Kontaminationen ist, wächst Spirulina in Becken. Ein Unterschied liegt in der Struktur: Chlorella ist klein und kugelig, Spirulina bildet dagegen Zellverbunde (sogenannte Filamente), die sie unter dem Mikroskop spiralförmig erscheinen lassen. Bei der Spiralform gäbe es in übereinander liegenden Röhren (vertical farmig) Probleme mit Scherkräften, und die Filamente würden aufreißen. Da sich Spirulina aber - im Gegensatz zu Chlorella - in einem alkalischen Milieu mit einem PH-Wert von 10-11, bei 35 Grad Celsius aufwärts und einem Salzgehalt von 0,9 Prozent wohlfühlt, ist die offene Kultivierung in Becken aber kein Problem, denn kaum ein Lebewesen mag so etwas. Ein weiterer Schutz ist durch die Überdachung gegeben. Da kann auch kein Dreck von oben kommen.

Das Wasser muss ständig in Bewegung sein. Dies wird mit Pedalwheels umgesetzt.

Die Becken werden derzeit von jeweils rund acht Kubikmeter auf zehn Kubikmeter vergrößert. Insgesamt wird eine Produktionsmenge von 2-2,5 Tonnen im Jahr angestrebt. Weiterhin wird auf den Boden ein wasserdurchlässiges Material gegossen, um auf die derzeit verwendeten Folien verzichten zu können. Auch das Labor wird neu eingerichtet. Das heißt, es wird laufend investiert.

Die Becken im zweiten Bereich des Gewächshauses waren leer. Hier sind die Schläuche auf den Böden zu sehen, die mit der Abwärme der Biogasanlage rund 80 Grad warm sind. Auch die hängenden Algabags von Algatec, eine Art Folienreaktor, sind leer. Darin können Kulturen neu gezüchtet werden, was bislang aber noch nicht nötig war. Daher wird der Bereich liebevoll der Kindergarten genannt. Mit Wasser und Nährlösung werden die Rückhaltekulturen, die am AWI existieren, hier im Notfall exponentiell vermehrt. Nach vier Wochen könnte dann ein Becken damit gefüllt werden.

 

Immer größer, immer effizienter, immer mehr Tiere - das war im Jahr 2011 keine Option für uns. Dann wurde ich, Johannes, auf Algen aufmerksam. Die neue Form der Landwirtschaft begann ... JoMaa setzt sich aus unseren Vornamen Johannes und Maarten zusammen.

– Johannes und Maarten Heins

Johannes und Maarten im Film über das "Superfood Spirulina aus Niedersachsen" von RTL Nord

Johannes Heins in der Produktion, Foto: Janika Kahrs - Jomaa

Anbau von Spirulina - wie geht das?

Diese Bilder der Ernte wurden mir, da ich ja im Betriebsurlaub vor Ort war, von JoMaa zur Verfügung gestellt. Zu sehen ist Johannes Heins, auch ein Visionär. Ganz grob geht der Anbau so:

  1. Anzucht, Wachstum
    Mikroalgen werden in großen Becken kultiviert. Die Zellen teilen sich; sobald die Algendichte passt geht es zur Ernte.
  2. Ernte
    Im Trommelfilter wird die Spirulina festgehalten, das Wasser läuft zurück ins Becken. Die dünne Paste wird mit Wasser gespült, vor allem, um den PH-Wert sowie den Salzgehalt zu senken. So kommt der eigene Geschmack der Spirulina besser zur Geltung.
  3. Trocknung
    Im Vakuumkoffer wird die Paste weiter entwässert und in Spaghetti-Form auf Trocknungsbleche gebracht. Bei unter 42° Celsius wird die Masse schonend getrocknet, um möglichst alle Bestandteile zu erhalten.
  4. Verpackung, Verarbeitung
    Nach ca. 18 Stunden wird die Spirulina direkt zu Streuseln gebrochen. Nach der Laboranalyse wird ein Teil zermahlen, und danach noch einmal beprobt. Verpackt wird in rPET-Behältern, da die Energie für die Produktion geringer ist als bei Glas. Es kann komplett recycelt werden und ist leichter - gut für den Transport. Dadurch konnte, alles in allem, der CO2-Ausstoß für diesen Bereich um etwa 40% gesenkt werden.

Hier geht es zur detaillierten Beschreibung von den Algen-Enthusiasten.

Die jetzige Nutzung als eine Art Nahrungsergänzungsmittel ist für viele Konsumenten nicht so richtig "sexy". Gearbeitet wird an spannenden Produkten, oder auch an einer Gefriertrocknung der Frischalge. Wenn man dem "functional food" nicht anmerkt, dass es funktional ist, dann ist das doch klasse, oder? Ich bin sehr offen für so etwas, mir ist das Leben nach dem Motto "Wat de Buur nich kennt, dat frett he nich." fremd. Es muss halt in erster Linie richtig gut schmecken.

Wissenswertes rund um die Alge

Algen werden weltweit seit Jahrtausenden genutzt, heute gelten sie als Zukunft. Hier findest du Wissenswertes rund um Nutzung und Forschung. Vielleicht verstehst du dadurch, warum ich für das Thema "brenne".

Das grüne Algenhaus in Hamburg, Foto: SSC GmbH
Kelpwald, Foto: Von National Marine Sanctuaries - Kelp Forest, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=95407446
Bier mit Spirulina-Blau von bo&sons
bo&sons auf dem Heimbrauerwettbewerb mit dem Brut IPA namens "Ocean Mind"
Sushi mit Nori-Alge, Foto: By Tim Reckmann from Hamm, Deutschland - Sushi, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=83154641
Teil der Darstellung von Algen im Futurium in Berlin
Anti-Aging-Bier mit Algen
Sushi, Foto: By Mokkie - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=70708005
Kunststoff-Folie aus Algen
Seegras, Foto: Von Wikiwatcher1 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4905955
Spirulina unter dem Mikrospok, Foto: Von Kaori Kamata, Zhenzi Piao, Soichiro Suzuki, Takahiro Fujimori, Wataru Tajiri, Keiji Nagai, Tomokazu Iyoda, Atsushi Yamada, Toshiaki Hayakawa, Mitsuteru Ishiwara, Satoshi Horaguchi, Amha Belay, Takuo Tanaka, Keisuke Takano & Masanori Hangyo - https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4017220/, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=113443026
Chlorella unter dem Mikrospok, Foto: Von Andrei Savitsky - Eigenes Werk, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=78130718

Algen als Weltretter? So werden sie häufig gesehen. Daher der Titel dieser Story, auch wenn es etwas übertrieben sein mag. Ich habe - als Laiin - einige Inhalte zusammen getragen, die dir zeigen können, welche Chancen die Landwirtschaft mit der Alge bietet. Dabei fehlen sicher noch ganz viele Aspekte. Alle Verweise und Informationen sind ohne Gewähr zu verstehen. Wenn du konkrete Korrekturen oder Anregungen hast, dann melde dich gerne bei mir unter krause@tourow.de.

  • Im Bilderslider oben findest du einige Impressionen - queerbeet und unvollständig.
  • In den Reitern, die du einfach aufklappen kannst, verbergen sich jede Menge Infos und weiterführende Links.
  • Unten habe ich einige Sendungen aus dem Fernsehen aufgeführt.

Ernährung - Algen auf dem Speiseplan

Algen, Yummy! Das ist in unseren Breitengraden wohl selten die erste Reaktion, wenn an den Verzehr gedacht wird. Wer sich mit Mikroalgen beschäftigt, sieht diese oft vor allem als Nahrungsergänzungsmittel. Nicht gerade ein Zeichen für Genuss. Und Makroalgen erscheinen als schleimig, vor Augen eventuell das nervige Zeug, das an den Strand gespült wird. Oder es folgt der Gedanke an schmierige Algenschichten auf Steinen, denen man den Kampf ansagt.

Ganz ohne Idealismus ist aber anzumerken, dass wir global die wachsende Menschheit nicht mehr lange mit so vielen tierischen Lebensmitteln versorgen können, wie es heute der Fall ist. Und auch die Klimaentwicklung legt nahe, dass alle auf eine weniger tierische und vermehrt pflanzliche Ernährung umstellen müssen. Insofern ist es, wenn wir "enkelgerecht" denken, nicht so die Frage ob wir uns ungewohnten Ernährungsweisen öffnen möchten, sondern eher, wie das lecker - oder ohne störende Faktoren - umgesetzt werden kann. Denn, ja, Algen können richtig yummy sein!

Mikroalgen in der Ernährung

Häufig kultivierte Mikroalgen sind Spirulina (Handelsname vor allem für das Cyanobakterium Arthrospira platensis) und Chlorella vulgaris. Meistens werden diese als Pulver oder Pressling angeboten. Gerade das Pulver eignet sich zur Beigabe in Smoothies oder andere Gerichte.

Wie in vielen Bereichen stellt sich die Frage, wie bewiesen die gesundheitliche Wirkung ist. Ein kritischer Beitrag der Verbraucherzentrale wird, wie ich in meiner Recherche bemerkt habe, von anderen häufig ebenso kritisiert. Mein Hausarzt beispielsweise berät viele fleischlos lebende Patienten und schwört auf Spirulina. Ebenso Jasmin, die keine Esoterikerin, sondern Wissenschaftlerin ist. Am Ende muss du für dich selbst entscheiden, wie du dazu stehst.

Geworben wird mit Antioxidantien, Vitaminen und Mineralstoffen, Darmgesundheit und einer möglichen Entgiftung. Hier ist ein - nicht wissenschaftlicher - Vergleich von Focus. Viele gesundheitliche Effekte werden auf das Chorophyll zurückgeführt. Das sollte natürlich durch grünes Gemüse auch in einer ausgewogenen Ernährung ausreichend vorhanden sein. Wer sich nicht ausgewogen ernährt (ich denke an viele Schnitzel-Buffet-Fans, die eine Salatbeilage verschmähen), oder wer aufgrund der Region oder Umstände nicht genügend grünes Gemüse zu sich nehmen kann, hat hier sicher Vorteile. Künftig wird auch der Mangel an Landfläche für den Anbau eine stärkere Rolle spielen.

Jasmin hat mich diesbezüglich noch auf ein Projekt ihres ehemaligen "Praktikums-Chefs" aus Klötze namens Jörg hingewiesen. Es ging dabei um die Bekämpfung von Mangelernährung bei Kindern in Kolumbien. Ich selbst habe auf Madagaskar von Spirulina gehört, hier gibt es einen Bericht "Mit Algen gegen die Armut". Die Kinder können das Wasser mit den Algen trinken und damit, flapsig ausgedrückt, "Energie tanken" Das ist doch ganz wunderbar.

Aus meiner Sicht ist es sinnvoll für die Verbreitung, diese Algen nicht nur als Nahrungsergänzung anzubieten, sondern leckere Gerichte beispielsweise aus Frischalgen zu entwickeln. Maarten und Jasmin sind hier schon länger kräftig am Testen. In meiner privaten Experimentierküche würde auch ich gerne einiges ausprobieren, es kribbelt schon in meinen Händen ... Und vielleicht braue ich auch mal grünes oder blaues Bier mit Spirulina? Wer weiß. Mehr dazu findest du weiter unten. Solltest du Ideen haben für die regionale Produktion von Algennudeln, Aufstrichen oder sonst etwas, dann melde dich gerne bei JoMaa!

Makroalgen - ein Hauch von Meer

Vom Sushi sind uns Makroalgen - hier wird die Nori-Alge verwendet - aus der japanischen Küche lange bekannt. Aber auch in Europa wurden und werden Algen verzehrt, die gehobene Küche hat sie teilweise wieder entdeckt.

Viele Makroalgen im Meer sind extrem wichtig für unser Klima. Daher macht es Sinn, vermehrt Makroalgen an Land anzubauen. Da Algen im Meer beispielsweise Jod anreichern, ist es in Bezug auf die Nährstoffe ein Unterschied, ob die Makroalgen wasserbasiert (im Meer) oder landbasiert (in Becken, egal ob Süß- oder Meerwasser) kultiviert werden. Denn Jod ist wichtig, darf aber auf keinen Fall in zu großen Mengen verzehrt werden.

Übrigens ist auch das Geliermittel Agar-Agar, als super Ersatz für Gelatine aus Tierknochen, aus einer Alge gewonnen. Von Alginate habe ich schon als vegane Wurstpelle gelesen. Das macht bei veganen oder vegetarischen Wurst-Ersatzprodukten Sinn, oder bei Wurst, die halal oder koscher ist. Hier muss dann nur eine Sorte Fleisch zertifiziert werden.

Vielleicht kannst du bald deine Meeresalgen sogar selbst daheim anbauen. Ich stelle mir das klasse vor.

Omega 3 - Öl, Algen und Fische

Omega 3-Fettsäuren sind mega wichtig, und sollten den Omega 6-Anteil bspw. aus Sonnenblumenöl deutlich übersteigen. In pflanzlichen Ölen (siehe Story über die Ölmühle Godenstedt) befindet sich vor allem die Alpha-Linolensäure, die vom Körper erst umgewandelt werden muss. EPA und DHA finden sich vor allem in der Meeres-Mikroalge Schizochytrium. Diese wird, neben anderen Phytoplankton-Arten, von kleinen Fischen gefressen, die kleinen Fische von größeren, und am Ende kommen die Omega 3-Fettsäuren über den Verzehr einiger Kaltwasser-Fischarten auf unsere Teller. Den "Umweg" über die Fische kannst du dir sparen, indem du bei einem Mangel an Omega 3 direkt Algenöl konsumierst. Der Algenladen, in dem bald auch JoMaa-Produkte erhältlich sein werden, und der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure Deutschlands e.V. haben dies gut beschrieben.

Also schon wieder ein Nahrungsergänzungsmittel? Na ja, unsere Meere sind großteils überfischt, da ist Algenöl doch eine gute Alternative. Und bei dem Begriff "Fischöl", das ebenfalls in Kapseln angeboten wird, graust es mir.

In Bioreaktoren können die Algen Nannochloropsis sp. und Phaeodactylum tricornutum auch gezüchtet werden, wie auf der Seite von Bioökonomie zu lesen ist. Hm, den verlinkten Beitrag habe ich ehrlich gesagt nicht ganz gelesen, aber so sieht es für mich aus.

Vorteile von Algenzucht in geschlossenen Systemen

Geschlossene System haben diverse Vorteile. Einerseits können sie regional sein, womit weite Transporte vorrangig aus Asien verhindert und die hiesige (Land-)Wirtschaft unterstützt wird. Hinzu kommt, und das ist vielleicht noch wichtiger, die Vermeidung von Kontaminationen. Denke dir einfach, ein Vogel entleert sich über den offenen Spirulina-Becken in Indien ... Achten solltest du daher auf hiesige Anbieter, die ihre Ware stets auch labortechnisch kontrollieren. Folgende habe ich auf die Schnelle gefunden:

Ein Tipp für den Erwerb von hochwertigen Makroalgen ist Crowdfarming. Hier kannst du einen Quadratmeter einer "Ría Gallega" adoptieren.

Viele Produkte, Tipps und Rezepte erhältst du auch im Algenladen, wobei die Algen hier teilweise importiert werden.

Bier mit Algen

Was wäre ein Beitrag von mir ohne - Bier. Ich hatte mal gehört, dass Maarten sich ein Bier mit Spirulina vorstellen könnte. Eins testweise zu brauen, das war mir etwas aufwändig. Dann traf ich zufällig die Jungs von bo&sons auf der Heimbrauermeisterschaft in Stralsund. Und die hatten ein Brut IPA namens "Ocean Mind" dabei, das eine Alternative zu Champagner sein sollte. Mit "Spirulina-Blau" gefärbt, und mit Champagnerhefe eingebraut. Zusammen mit dem gelben Bier wirkt das grün. Du möchtest das Bier nachbrauen? Kein Problem, hier ist das genaue Rezept:

Bier-Rezept "Ocean Mind"

Ein Dunkelbier mit Spirulina, verkauft als "Anti Aging Bier: Das einzige Bier für Körper, Geist und Seele" , kommt von der Neuzeller Klosterbrauerei aus Brandenburg. Es schmeckt, eventuell durch die Zugabe von Solewasser, sehr weich. Wirklich nicht schlecht. Spirulina kann ich nicht direkt herausschmecken, und aufgrund der dunklen Farbe auch nicht sehen. Das könnte eher ein Vorteil sein. Nun ist die Frage, wie viel man davon trinken muss, bis es wirkt? Eine Flasche reicht nicht gegen Falten und für geistige Erleuchtung, das habe ich für dich schon probiert ...

Ein traditioneller Bierstil in Schottland ist das Kelpie Seaweed Ale. Hier wird frisch geernteter Zuckertang für etwa eine halbe Stunde in der Würze mitgekocht. Ob das schmeckt kann ich nicht sagen. Eins der Williams Brothers Brewing Co. gibt es nicht mehr, bei Untappd wurde es aber mittelmäßig beurteilt. Wenn jemand eins auftreiben kann, dann möge die Person sich unbedingt bei mir melden. Bitte!

Farben - Pigmente aus Algen

Aus verschiedenen Algen können auch ganz unterschiedliche Pigmente gewonnen werden.

Ganz besonders spannend ist der blaue Farbstoff Phycocyanin aus Blaualgen wie der Spirulina. Es ist derzeit der einzige natürliche blaue Farbstoff, der für Lebensmittel freigegeben ist. Auch JoMaa stellt diesen auf Nachfrage her, hat ihn aber nicht dauerhaft im Shop-Sortiment. Du kannst es aber ganz einfach im Internet als Spirulina-Blau bestellen. Das gibt es auch im Honig - mal was anderes. Vielleicht eine Idee für den Kindergeburtstag? Oder für Fotos von Flood-Bloggern? Zur süßen Färbung von einem Krümelmonster-Keks? Im Reiter zum Thema Nahrung findest du Bier, das mit dem blauen Pigment gefärbt wurde.

Das Spirulina-Blau wird auch industriell fast überall verwendet, wo du Lebensmittel in blauer bis violetter Farbe siehst. An Farbstoffen anderer Algenarten forscht auch Jasmin, und könnte dazu eine separate Story füllen. Bei diesem Thema leuchten ihre Augen. Denn gerade testet sie mit einer Forschungsgruppe des Fraunhofer Instituts, ob sich Spirulina auch als Bestandteil für nachhaltige Farben für Holz und Metall eignet. Da sind Fragen wie Lichtbeständigkeit, Brandschutz und Haltbarkeit zu beantworten. In diesem Bereich gibt es derzeit einen großen Bedarf für grüne und blaue Pigmente.

Die Algen-Farbpalette ist auch für den Textildruck nutzbar. Hier gibt es auch Farbstoffe, die aus Makroalgen gewonnen werden. Und nicht nur das: Aus Algen können auch direkt Textilien hergestellt werden:

BürgerWissenschaftsDialog zum Thema „Mode aus Algen“

Futter und Dünger - Algen in der Landwirtschaft

In der Landwirtschaft können Algen, unabhängig vom Anbau selbst, beispielsweise als Dünger oder Tierfutter eine besondere Rolle spielen.

Landbasierter Anbau von Algen

Algen brauchen bei einer Kultivierung in Becken nur wenig, und bei einer Kultivierung in übereinander platzierten Röhren (vertical farming) kaum Landflächen und auch weniger Wasser als "Pflanzen auf dem Acker". Auch eine Landwirtschaft mitten in der Stadt, beispielsweise auf Dächern, ist denkbar (urban farming). Spannend sind hier unter anderem die Infos vom Bundesinformationszentrum Landwirtschaft oder von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Und wenn die schon was dazu schreiben, dann kann es ja nicht so abwegig sein.

Beim Algenprojekt werden interessierte Betriebe beraten.

Bioremediation: Algen als Dünger

Herkömmlicher Dünger landet nicht nur auf den Feldern, sondern teilweise auch im Grundwasser. Mit Algen kann einerseits eine biologische Sanierung stattfinden, und andererseits direkt gedüngt werden. Ein Kreislauf entsteht. Wie das funktioniert, wird von Studierenden der Uni Göttingen in diesem auch für Laien verständlichen Film erklärt:

Erklärfilm zur Bioremediation

Auch in Kläranlagen können Algen hilfreich sein. Das hat in erster Linie nichts mit der Landwirtschaft zu tun, passt aber vom Prinzip an dieser Stelle. Ziel eines Projektes in Rotenburg an der Fulda: Mithilfe von Mikroalgen soll die Einleitung von Nährstoffen in die Fulda verringert, die Konzentration von Phosphor und Stickstoff im Ablaufwasser der Kläranlage gesenkt und die dabei entstehende Biomasse aus Algen für die Biogasgewinnung genutzt werden. Es hat geklappt!

Bioökonomie: Mit Algen Abwässer reinigen

Algen als Tierfutter

Viele landwirtschaftliche Flächen werden für den Anbau von Tierfutter benötigt. Auch Fischmehl wird hier und da verfüttert. Algen können hier ein wertvoller Bestandteil der Tiernahrung werden, um andere Flächen zu schonen.

Energie, Mobilität und Bauwesen - Algen als Kraftwerk, Kraft- und Baustoff

Algen zur Energiegewinnung

Es gibt verschiedene Herangehensweisen, um aus Algen Energie zu gewinnen.

Ein Leipziger Forscher hat es beispielswiese geschafft, dass Algen ohne Wachstum Glykolat bilden, das anschließend zu reinem Methan vergärt wird. Das gewonnene Biogas ist frei von Schwefel und Stickstoff, der Ertrag ist deutlich besser als Biogas aus Mais:

Energiegewinnung: Algen als Biokraftwerke

Ein Team der Universität Cambridge hat versucht, einen Mikroprozessor ausschließlich mit Strom zu versorgen, den Blaualgen produzieren. Geklappt hat dies sogar nachts:

Natürlicher Strom: Forscher finden erstaunliche Lösung

Das Futurium in Berlin fragt: Was wäre, wenn Autos künftig mit klimaneutralen Treibstoffen wie Wasserstoff fahren, die sogar mithilfe von Algen auf dem Hausdach erzeugt werden könnten? Oder wenn wir zu Hause Bakterien züchten, die dazu beitragen würden, unsere Wohnungen zu heizen? Hier geht es zum Blogartikel:

Wasserstoff aus der Algenfabrik

Algen in der Architektur: Klimaneutrales Bauen

Das aus meiner Sicht bekannteste Beispiel für Algen in der Architektur ist das "grüne Haus" in Hamburg, das im Rahmen der Internationalen Bauaustellung 2013 entstanden ist. Partner war die Firma SSC. Das Haus siehst du im Slider oben, es ist das Startbild. Hier geht es um die Gewinnung von Energie, theoretisch können die Algen später aber auch für Lebensmittel verwendet werden. Die Firma Cellparc, die dieses System bereits aktiv vermarktet, nennt Schalldämmung, Sonnenschutz, thermische Isolation und Wasserrecycling als Vorteile. Insofern kommen hier gleich viele Themen zusammen. 

Film vom NDR:

Hamburg: Bio-Reaktor in Algen-Haus produziert Energie

Film von Galileo auf ProSieben:

Leben in Algen: Energiegewinnung und nahrhaft zu gleich

Weitere Informationen zu Algenfassaden in dieser Form gibt es beispielsweise in einem Bericht der Welt, beim Deutschlandfunk, beim Tagesspiegel, auf der Seite "Moderne Gebäudetechnik" oder bei ARUP.

Podcast von Arup: #1 Klimaneutrale Städte

Ein anderer Ansatz sind Algen, die wie ein Mikrofilm auf die Oberfläche von Fassaden gebracht werden. Hier geht es in erster Linie um die Verbesserung des Stadtklimas. Mehr dazu findest du in der Projektvorstellung der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung:

AbifFa - Algen-Biofilm-Fassaden für saubere Luft und besseres Stadtklima

Algen können aber auch als Baustoff verwendet werden. Beispielsweise gefertigt aus komprimierten und ausgehärteten grünen Makroalgen sowie Lehm, oder mit einer Art Zement, der aus Mikroalgen gezüchtet wird.

Eco Village China: Algen als nachhaltiger Baustoff

Ein Baustoff aus Mikroalgen, der Zement ersetzen soll

Auf der Insel Laeso werden Dächer traditionell von Frauen gedeckt, und zwar mit Seetang. Der Reiseanbieter "Sonne und Strand" hat dazu berichtet. Und auch auf der Seite der Süddeutschen Zeitung habe ich einen Bericht gefunden:

Dächer aus Seegras

Algen können weiterhin Produkte wie Beton ersetzen, deren Herstellung viel CO2 verursacht: Eine Carbonfaser, hergestellt aus Algen, ist kombiniert mit Naturstein leicht wie Aluminium und hart wie Stahl. Der SWR hat in der Reihe "Planet Schule" davon berichtet:

CO2 in Algen speichern · Kühlung für die Erde


Kraftstoff aus Algen - das neue Kerosin

Es ist bereits Realität - mit Kerosin aus Algen kann geflogen werden. Auch Biodiesel aus Algen gibt es. Allerdings noch sehr teuer. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis sich auch hier etwas tut. Ein paar Infos findest du dazu auf Wikipedia. Auf der Seite Bioökonomie gibt es Infos zum Algentechnikum in München:

Algentechnikum: Perfektes Licht für grüne Kerosin-Fabriken

In einem Forschungsprojekt wird weiterhin untersucht, ob Algensubstanzen als Schmierstoffzusatz verwendet werden können. Das wäre eine Alternative zu Mineralöl. Auch die Hochschule Bremerhaven arbeitet mit am sogenannten Forschungsprojekt ALBINA.

Kunststoffe und Verpackungen - Algen statt Erdöl

Eigenlich besteht Erdöl zu einem Teil aus Algen, also aus abgestorbener Biomasse, aber die Umwandlung dauert mit Millionen von Jahren viel zu lange. Darauf können wir nicht warten. Eine Frage ist, ob Kunststoffe und Verpackungen nicht auch mit gezüchteten Algen herstellbar sind.

Zu den Forschungsprojekten der Hochschule Bremerhaven - MAK-PAK und "MAK-PAK Scale up" - haben auch die Süddeutsche Zeitung und die Seite Bioökonomie berichtet. Erinnerst du dich? Auch Jasmin arbeitet am Projekt "MAK-PAK Scale up", denn hierfür werden in der Versuchsanlage die Makroalgen gezüchtet.

Hier findest du Infos zu den Projekten direkt von der Hochschule:

MAK-PAK: Nachhaltige Verpackungslösungen aus Makroalgen für den Lebensmittel-Handel

MAK-PAK scale up: Industrietaugliche Verfahrensoptimierung zur Herstellung einer nachhaltigen Verpackungslösung aus Makroalgen für den Lebensmittel-Handel

Forscher vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen haben gemeinsam mit internationalen Kollegen ein Verfahren entwickelt, das auf algenbasierte Abfälle setzt. Hergestellt werden können Biofolien aus Algen.

Alternative Biomasse: Biofolien aus Algen

Kosmetik und Medizin - Algen als Anti-Aging-Mittel

Algen haben auch heute bereits für die Kosmetik und die Medizin eine große Bedeutung. Ich habe nur einige wenige Quellen hierzu zusammen gestellt. Die Darstellung als Anti-Aging-Mittel (beim Bier hat das ja nicht geklappt, siehe Reiter Ernährung) sollte vielleicht mit Vorsicht betrachtet werden. Ich kann es ja mal mit einer Creme ausprobieren ...

Bioökonomie: Mikroalgen-Extrakte für innovative Kosmetik

Die Welt: Wie Algen aus der Ostsee die Haut jung halten

Algen verfügen unter anderem über Magnesium, Eisen, Jod, Kalzium und Kalium. Sie haben laut der Vogue nicht nur eine feuchtigkeitsspendende Wirkung und können die Textur der Haut verbessern - manche Algenarten haben sogar sonnenschutzähnliche Eigenschaften.  

Vor allem um Carrageen, einem Verdickungsmittel und Stabilisator, geht es bei "Makroalgen made in Sigmundshall" der Firma K+S. Der Stoff wird in der Lebensmittelverarbeitung, Pharma-, Kosmetik- und Futtermittelindustrie eingesetzt wird. 

Mehr zu Algen in Kosmetika und Pharmazie findest du hier:

Deutsche ApothekerZeitung: Makroalgen – Potenzial für Pharmazie und Kosmetik

Kieselalgen - Dynamit, Photovoltaik und mehr

Kieselgur ist das Stichwort, um das es hier geht.

Dass es Dynamit gibt, ist einer Begegnung des schwedischen Erfinders Alfred Nobel mit den Kieselalgen zu verdanken. Dies haben sozusagen winzige Panzer, die als Kieselgur "überleben". Kieselgur stabilisiert das Nitroglyzerin und macht es deutlich ungefährlicher in der Handhabung.

Zitat aus dem nachfolgend verlinkten Bericht: "Mit diesem Material konnten Bauern Schädlingen zu Leibe rücken, Ärzte Wunden behandeln, Brauereimeister Bier filtern. Der Bedarf war so groß, dass die Förderung von Kieselgur sich in der Lüneburger Heide zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelte. Bis Mitte der 1990er-Jahre wurde dort die kostbare Diatomeenerde gefördert." Info von mir am Rande: Die Lüneburger Heide reicht bis in unseren Landkreis Rotenburg (Wümme).

Planet Wissen: Was Kieselalgen mit Dynamit zu tun haben
 

Beim Bier - oder auch beim Wein - wird Kieselgur übrigens für die Filtration verwendet. Kieselgur sorgt für Klarheit und Stabilität. Weitere Infos zur Verwendung von Kieselgur findest du im Wikipedia-Eintrag.

Und wo bleibt die Photovoltaik? Jasmin hat erzählt, dass derzeit an Kieselalgen geforscht wird, und zwar in Zusammenhang mit Photovoltaik. Eventuell können Produkte aus der Alge - oder sogar lebende Kieselalgen - hier eingesetzt werden, um das Silizium zu ersetzen. Der Abbau von Silizium ist mit großen Schäden an der Umwelt und schwierigen Arbeitsbedingungen vor Ort verbunden. Weiterhin macht es uns abhängig von Staaten wie China. Eine Alternative wäre daher richtig klasse. Ich habe hier einen Beitrag gefunden:

Pro Physik: Silizium aus Kieselalgen

Immer bei der Arbeit, Foto: Jasmin Ebel - JoMaa

Meine Vision - algengrüner und nachhaltiger Landkreis Rotenburg

Wie schon erwähnt bin ich Laiin im Feld der Algen, Landwirtschaft, Energie und so weiter. Aber ich bin neugierig und begeisterungsfähig, was mich ganz privat lange vor dem Besuch der Farm dazu brachte, über das Thema nachzudenken. Der Besuch der Farm war also die Folge meiner Leidenschaft, die andere Personen in diversen Gesprächen nicht ganz nachvollziehen konnten. Ich spinne jetzt einfach mal rum und hoffe, dass der Shitsorm an mir vorbei geht ...

Wenn es mehr Förderung im Bereich der Wissenschaft und Landwirtschaft für die Algenzucht und -nutzung geben würde, dann wäre ein Anbau von Algen bestimmt ganz bald für deutlich mehr Menschen wirtschaftlich attraktiv. Denn an der Wirtschaftlichkeit scheitert es derzeit meistens. Könnte sich der Landkreis Rotenburg (Wümme) als Zukunftsregion für dieses Thema aufstellen? Es könnte zuerst eine sogenannte Denkfabrik geben, in der alle Möglichkeiten branchenübergreifend erörtert werden.

Was ist zum Beispiel mit den Stallgebäuden, die immer häufiger leer stehen? Könnte ein Energie-Mix aus Biogas, Windkraft, Photovoltaik und zusätzlich Algenkraftwerken sinnvoll sein? Wie in anderen Energie-Projekten könnten sich Dörfer zusammentun, um grüne Algenkraftwerke mit Blaualgen an, sowie Wasserbecken für die Zucht von Makro- oder Mikroalgen in Gebäuden aufzubauen. Als eine Art Genossenschaft oder Kooperative. Im Landkreis gibt es Brauereien, Nudeleien und mehr, die einige der Algen regional veredeln könnten.

Ein neues Dorfgemeinschaftshaus wird benötigt? Wie sieht es aus mit Baustoffen aus Algen, die gleich um die Ecke angebaut wurden? Gibt es Bauunternehmen im Landkreis, die hier Vorreiter werden könnten? Und wie sieht es mit Flugkerosin aus, für Rotenburg und Karlshöfen? Auch hier könnte getestet und geforscht werden.

"I have a dream": Wie wäre es also, wenn wir gemeinsam ein ganz kleines bisschen die Welt retten, und dabei die Region nach vorne bringen?

Wenn du auch Lust hast, die Algenfarm zu besichtigen oder das Produkt zu testen, dann findest du nachfolgend alle Infos.

Roval GmbH - JoMaa Spirulina

Hauptstraße 26
27404 Rockstedt
Tel: 04285 5550903
E-Mail: moin@jomaa-spirulina.de

Vor Ort können freitags in der Regel von 7.00-12.30 Uhr Algen direkt am Gewächshaus gekauft werden. Auch die Produktion kannst du dann spontan besichtigen. Dies ist leider nicht imemr möglich, weshalb es wichtig ist, rechtzeitig vorher per Telefon, WhatsApp, E-Mail oder Instagram nachzufragen.

Besuchergruppen melden sich bitte rechtzeitig vorher per E-Mail an. Für allgemein interessierte Gäste ist dies kostenlos, und dauert in der Regel - sofern die Zeit es zulässt - etwa 2 Stunden. Gruppen, die den Austausch in Bezug auf eingene Projekte suchen, vereinbaren bitte vorher die Möglichkeiten. In der Regel dauert eine Führung hier deutlich länger. Die Algenfarm ist bewusst gläsern, der offene Austausch mit der Branche explizit erwünscht.

Der Online-Shop ist natürlich 24/7 erreichbar.

Zu JoMaa Spirulina

 

Jasmin Ebel

5 Fragen an ...

  1. Kommst du gebürtig aus dem Landkreis Rotenburg (Wümme)?
    Leider nein, ursprünglich komme ich aus Grasberg (Landkreis OHZ), jedoch wohne ich schon seit 15 Jahren leidenschaftlich in Bremen und sehe mich auch als Bremerin (mit Hang zum Land ;)).
  2. Was ist dein persönlicher Lieblingsort im Landkreis?
    Da gibt es einige, ROW hat viel zu bieten, finde ich. Am liebsten wandere ich aber über die Nordpfade, da habe ich fast alle durch mittlerweile. Besonders gut hat mir da die Wassermühle Eitzte vom Zwei Mühlen Weg gefallen.
  3. Was schätzt du an den Menschen in der Region besonders?
    Die Freundlichkeit und Herzlichkeit, die alle hier an den Tag legen. Gerade beim Wandern die Hilfsbereitschaft wenn man sich "verwandert" hat, und die Freundlichkeit in den Cafés und Restaurants wo wir zum Rasten eingekehrt sind.
  4. Was macht die Region lebens- und liebenswert?
    Die Natur und die Menschen.
  5. Bist du eher Team Aktiv, Natur, Kultur oder Auszeit?
    Eindeutig aktiv in der Natur. Mein Mann und ich gehen viel Wandern. Von den Nordpfaden, zur Lüneburger Heide in den Harz. Im letzten Jahr haben wir 378 km gewandert. Dabei war auch mein erster Mammutmarsch in Hannover. Im neuen Jahr wollen wir mehrere kleine Wanderungen machen, durch die Schwangerschaft wird es sicher weniger werden. :)

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